Man kann das nötige Quantum Phantasie kaum mehr aufbringen, um sich vorstellen zu können, welcher Nationalzirkus in den Ministerien von – zumindest dem Geburtsjahr nach zu urteilen – erwachsenen Menschen aufgeführt wird. Und so nimmt es nicht Wunder, daß in amtliche Schreiben, Gesetze und Verordnungen vermehrt unwürdige Vulgarbezeichnungen aufgenommen werden, um auch dem kleinen Maxi (6) in einfacher Sprache näherzubringen, was ministeriellen Gehirnen unter Überdruck manchmal so entweicht.
Wir präsentieren daher stolz: Die Steueroasen-Kundmachungs-Verordnung 2025! (Anm.: Sie heißt tatsächlich so.) Ich bekenne in gekränktem Urheberstolz: das könnte von mir sein, ist es nur leider nicht, da ich Faschingsscherze nicht schon jeweils ab 11.11., sondern stets erst nach dem Dreikönigstag zu machen pflege. Aber nachdem heute die Realität jede Satire ohnehin schon links und rechts überholt, kann der Satiriker ohnehin bald einpacken. Immerhin: im zweiten Bildungsweg könnte der arbeitslose Satiriker Ministerialbeamter werden, der dann Wochenlang im gut geheizten Stübchen Dinge erfindet wie die Steueroasen-Kundmachungs-Verordnung.
Wenn Sie nun denken, daß hier vielleicht defaitistische Kräfte walten, die uns mit idiotischen Verordnungen mit noch idiotischeren Bezeichnungen darauf hinweisen wollen, daß der Rechtsstaat an fortgeschrittener Paralyse leidet, dann liegen Sie vielleicht richtig. Denn die die Verordnung liest sich wie das Gegenstück zur amtlichen Reisewarnung, nämlich: als Empfehlung. Die „nicht kooperativen Länder und Gebiete für Steuerzwecke“ (auch das ist nicht von mir) Amerikanisch-Samoa, Fidschi, Panama, Samoa, die Seychellen, Trinidad und Tobago bieten sich also dringend für den nächsten Urlaub an; und unkooperativ für Steuerzwecke, wie diese Länder halt sind, gibt’s für Besucher auch den ersten Kaffee nicht gegen Rechnung, sondern schwarz. Einstweilen zieht die Karawane von der Oase weiter, und nur Kamele zahlen Steuern.
Vielleicht ist die Steueroasenverordnung nur ein novemberlicher Aprilscherz. Vielleicht ist sie ein Hinweis, daß die Welt auf kein‘ Fall mehr lang steht. Vielleicht ist das auch nur ein Manöver, um Sie von den mausigen Pensionen, die zugleich verlautbart wurden, abzulenken. Vielleicht will man Sie aber nur veroasen.
Stand: 27.11.2025
MS
