{"id":2599,"date":"2026-06-26T20:14:26","date_gmt":"2026-06-26T19:14:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/?p=2599"},"modified":"2026-06-26T20:14:26","modified_gmt":"2026-06-26T19:14:26","slug":"lizenzfreie-bilder-aus-dem-internet-obacht-falle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/?p=2599","title":{"rendered":"&#8222;Lizenzfreie Bilder&#8220; aus dem Internet? Obacht, Falle!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Muster ist immer dasselbe: Jemand sucht im Internet lizenzfreie Bilder, findet ein Bildmotiv, setzt es auf seine Internet- oder Facebookseite und bekommt pl\u00f6tzlich Post vom (angeblichen oder tats\u00e4chlichen) Inhaber der Urheberrechte \u2013 oder von seinem Rechtsanwalt. Gefordert werden\u00a0<strong>Lizenzgeb\u00fchren\u00a0<\/strong>(und manchmal auch betr\u00e4chtliche Anwaltskosten in exorbitanter H\u00f6he, die meist nicht aufgeschl\u00fcsselt sind). Die Lizenzgeb\u00fchr wird z.B. darauf gest\u00fctzt, da\u00df der Name des Photographen (die sogenannte\u00a0<strong>Urheberbezeichnung<\/strong>) bei der Verwendung des Bildes vom Nutzer nicht angebracht wurde. Da fallen nat\u00fcrlich viele aus allen Wolken und bezahlen \u2013 vorschnell und \u00fcbereilt \u2013 das Geforderte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manche fragen aber nach und erhalten eine Aufschl\u00fcsselung der Lizenzforderung und des Honorars, das aber nicht auf Grundlage des (ohnehin schon \u00fcberh\u00f6hten) Lizenzentgelts, sondern anhand des ausgesprochen hohen&nbsp;<strong>Zweifelsstreitwerts f\u00fcr Urhebersachen<\/strong>&nbsp;berechnet wird. (Beachten Sie, da\u00df es nicht um sonst&nbsp;<strong>Zweifels<\/strong>streitwert<strong>&nbsp;<\/strong>hei\u00dft.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer hier vorschnell etwa anerkennt oder sich durch bewu\u00dft kurze Antwortfristen unter Druck setzen l\u00e4\u00dft, zahlt vielleicht viel mehr, als er mu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lizenzfrei und doch nicht.<\/strong><br>Wie es \u00fcberhaupt dazu kommt, da\u00df Bilder in Suchmaschinen pl\u00f6tzlich als &#8222;lizenzfrei&#8220; ausgegeben werden, w\u00e4re eine eigene Untersuchung wert. N\u00e4mlich dann, wenn Bilder, die ganz und gar nicht gratis sind, als lizenzfrei <em>ausgegeben <\/em>werden. (Der Suchmaschinenbetreiber wird f\u00fcr diese falsche Bezeichnung ja wohl nicht haften.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum jemand sucht n\u00e4mlich nach sogenannten Stockfotos auf einer Seite f\u00fcr sogenannte Stockfotos. Vielmehr wird jeder, der ein Bildmotiv sucht, \u00fcber eine gew\u00f6hnliche Suchmaschine gehen und erst \u00fcber diesem Umweg auf die Seiten von Stockfoto-Anbietern kommen. Dabei sind Suchworte wie \u201egratis\u201c oder \u201ekostenlos\u201c nat\u00fcrlich nie eine Garantie daf\u00fcr, da\u00df die Suchmaschine auch tats\u00e4chlich nur kostenlose Bilder anzeigt. (Wer dann einfach Bilder aus den Ergebnissen der Bildersuche herunterl\u00e4dt und verwendet, kann sich eben nie sicher sein, ob er nicht in fremde Rechte eingreift.) <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da gibt es aber auch Anbieter, die wie seinerzeit \u00fcber die Webseite p****.de Bilder mit dem irref\u00fchrenden Hinweis \u201elizenzfrei\u201c versehen haben, und das sogar \u00fcber den Dateipfad\u00a0<em>www.p****.de\/<strong>lizenzfreie-Bilder<\/strong>\/\u2026<\/em>, wodurch sicherlich in etlichen Suchmaschinen die derma\u00dfen ver\u00f6ffentlichten Bilder als lizenzfrei angezeigt werden; das konnte dem juristischen Laien suggerieren, es handle sich um ein Gratisangebot. Gefehlt! Die behauptete Lizenzfreiheit wurde n\u00e4mlich auf derselben Seite, wo sie angepriesen war, schon wieder widerrufen (Zitat:\u00a0<em>\u201elizenzfrei bedeutet nicht kostenlos oder rechtefrei \u2013 ein Lizenzkauf und eine Urheberangabe sind erforderlich\u201c<\/em>). Der wirkliche Witz liegt also im Zusammensto\u00df mit der Bezeichnung des Unterverzeichnisses \u201elizenzfreie Bilder\u201c und dem zitierten Hinweis. Wie denn nun? Versteht der Seitenbetreiber blo\u00df die deutsche Sprache nicht (<em>Lizenz\u00a0<\/em>hei\u00dft n\u00e4mlich nichts anderes als: Erlaubnis, und warum ist dann bei etwas Lizenz<em>freiem<\/em>\u00a0ein\u00a0<em>Lizenzkauf\u00a0<\/em>n\u00f6tig?), oder soll der Nutzer hier gar bewusst irregef\u00fchrt werden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die andere Sache ist, da\u00df die Bilder auf solchen Seiten oft <strong>ohne\u00a0jeden Urheberhinweis<\/strong> angezeigt werden, der dann aber eingefordert wird (Zitat: <em>&#8222;Auf einer Ihrer Internetseiten haben wir Bildmaterial ohne Urhebernachweis entdeckt&#8230;.&#8220;<\/em>). Schm\u00e4h sind das&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Und dann noch eine andere Frage: <\/strong><br>Warum schaffen es seri\u00f6se Anbieter, die Muster ihrer Bilder im Internet mit einem <strong>Wasserzeichen <\/strong>zu versehen, das von vornherein klarmachen w\u00fcrde, da\u00df diese Bilder gesch\u00fctzt sind und, wenn man sie ohne Wasserzeichen nutzen will, man daf\u00fcr bezahlen mu\u00df? Ein Schelm, wer da ein Gesch\u00e4ftsmodell dahinter vermutet, wenn jemand seine Bilder im gro\u00dfen Stil vogelfrei ins Netz stellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Anspr\u00fcche des Urhebers.<\/strong><br>Niemand bestreitet, da\u00df ein Urheber entweder Anspruch auf ein Entgelt f\u00fcr die Nutzung seines Werkes hat, oder auf eine angemessene Entsch\u00e4digung, wenn sein Werk ohne Genehmigung genutzt wird. (Beachten Sie aber die Bedeutung der Worte\u00a0<em>angemessen\u00a0<\/em>und\u00a0<em>Entsch\u00e4digung<\/em>, d.h. der Abgeltung eines tats\u00e4chlich entstandenen Schadens.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was w\u00e4re aber, wenn ein Urheber eine gar nicht marktg\u00e4ngige Ware schafft? D.h. beispielsweise Stockfotos, die man vielleicht nur dann nutzt,\u00a0<strong>wenn sie gratis sind<\/strong>, f\u00fcr die man aber niemals auch nur einen Schilling bezahlen w\u00fcrde, geschweige denn unangemessene Lizenzgeb\u00fchren in H\u00f6he von mehreren Hundert Euro? Was w\u00e4re, wenn nicht vermarktbare Inhalte wie z.B. Stockfotos ins Internet gestellt werden, gerade\u00a0<em>damit\u00a0<\/em>sie von arglosen Nutzern gefunden und verwendet werden,\u00a0<em>damit\u00a0<\/em>folglich Anspr\u00fcche gegen den (unberechtigten) Nutzer entstehen? Anspr\u00fcche in einer H\u00f6he, die man am freien Markt auf normalem Wege niemals erlangen k\u00f6nnte? N\u00fctzen da manche das Internet als ein Spinnennetz, in dem sich die Fliegen verfangen sollen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir lassen diese Fragen offen und \u00fcberlassen Ihnen die Antwort. Jedenfalls: Finger weg von Bildern zweifelhafter Herkunft. Da spart man Geld und Wege. Ihr Rechtsanwalt wei\u00df Rat!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">MS<br>Stand: 26.06.2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Muster ist immer dasselbe: Jemand sucht im Internet lizenzfreie Bilder, findet ein Bildmotiv, setzt es auf seine Internet- oder Facebookseite und bekommt pl\u00f6tzlich Post vom (angeblichen oder tats\u00e4chlichen) Inhaber der Urheberrechte \u2013 oder von seinem Rechtsanwalt. Gefordert werden\u00a0Lizenzgeb\u00fchren\u00a0(und manchmal auch betr\u00e4chtliche Anwaltskosten in exorbitanter H\u00f6he, die meist nicht aufgeschl\u00fcsselt sind). 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