{"id":2333,"date":"2025-04-20T18:11:00","date_gmt":"2025-04-20T17:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/?p=2333"},"modified":"2025-04-25T18:19:14","modified_gmt":"2025-04-25T17:19:14","slug":"kleine-irrungen-zum-urheberrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/?p=2333","title":{"rendered":"Kleine Irrungen zum Urheberrecht."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der allseits beliebten <em>Kleinen Zeitung<\/em> konnte ein Redakteur nicht an sich halten (oder es musste kurz vor Redaktionsschluss noch eine Kolumne bef\u00fcllt werden, an deren Stelle begreiflicherweise niemand ein Inserat plazieren wollte) und sonderte am 16. April zu einem aktuellen Thema einen \u201eDenkzettel\u201c ab. (Ein Denkzettel von der \u201eKleinen\u201c, da wird sich die Welt da drau\u00dfen aber f\u00fcrchten!)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegenstand: Besetzungsfragen in einer TV-Serie, in dem eine bestimmte Rolle \u2013 ur-woke, aber v\u00f6llig werk- und sinnwidrig \u2013 <a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/harry-potter-neubesetzung-des-severus-snape-sorgt-fuer-wilde-debatten-2935839\/\">von einem farbigen Schauspieler<\/a> \u00fcbernommen werden soll. Nach Auffassung der &#8222;Kleinen&#8220; geht es um nichts als um den <em>&#8222;alten Streit um die Hautfarbe&#8220;<\/em>. Nat\u00fcrlich falsch. Es geht um Werktreue und Respekt gegen\u00fcber dem Urheber. Aber bitte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Aufbegehren der kleinen Kunst-Revoluzzer liest sich fast wie die Frage: <em>\u201eWo steht denn geschrieben, da\u00df Othello ein Schwarzer war?\u201c<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.projekt-gutenberg.org\/shakespr\/othello\/othello.html\">Schon im Titel,<\/a> Averell.) Sch\u00f6n, dann machen wir aus dem Mohren eben einen \u2026 Chinesen? Eskimo? Steirer? Man wird dann zwar rasch feststellen, da\u00df das St\u00fcck nicht mehr funktioniert &#8211; aber was soll\u2018s! Der billigen Provokation sei\u2018s geopfert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun sollen hier nicht die Eiterungen politischer Korrektheit beleuchtet werden, die schon lange das Ma\u00df des noch Genie\u00dfbaren \u00fcberschreiten, so wie weiland in Kenneth Branaghs unertr\u00e4glichem \u201e<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Murder_on_the_Orient_Express_(2017_film)#Critical_response\">Mord im Orientexpress<\/a>\u201c, wo die Besetzung von Farbigen in Komparserie, Neben- und Hauptrollen durch das vor sich hergetragene politische Glaubensbekenntnis der Produktion beim dargestellten historischen Hintergrund zur reinen Geschichtsf\u00e4lschung wird. (Die verantwortlichen bekennenden Antirassisten haben scheinbar auch nach Jahrzehnten nicht verstanden, da\u00df es nebbich <em>wiederum <\/em>nur Rassismus ist, wenn man Rollen mit Menschen besetzt, <em>gerade weil<\/em> sie farbig sind. Sei&#8217;s drum.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Wille des Uhrhebers.<\/strong><br>Wenn ein Urheber (Autor, K\u00fcnstler, Komponist) ein Werk in die Welt setzt, so darf vorausgesetzt werden, da\u00df er sich etwas dabei gedacht hat. Das Urheberrecht sch\u00fctzt diesen Willen des Urhebers. Dabei verbietet das Urheberrechtsgesetz zwar nicht, gesch\u00fctzte Werke nach Gusto zu bearbeiten oder gar zu entstellen, aber das bearbeitete Werk darf dann ohne Zustimmung des Urhebers zumindest nicht verbreitet, vervielf\u00e4ltigt oder verkauft werden (s.a. \u00a7 21 Urheberrechtsgesetz).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Einwand, da\u00df es bei diesem Schutz nur ums Geld geht, lasse ich nicht gelten. Der Autor wird vom Gesetz davor gesch\u00fctzt, da\u00df sein Werk, wenn damit schon durch Bearbeitung Schindluder getrieben werden kann, in bearbeiteter Form ohne seine Zustimmung wenigstens nicht auch noch verbreitet wird. Letztlich steht ja der Autor mit seinem Namen f\u00fcr den Werkinhalt gerade. (Das zeigt sich schon daran, da\u00df die seit den 1970ern geistig halbseitig gel\u00e4hmte Regie <em>gerade <\/em>mit den Namen der Originalautoren und deren Werktiteln hausieren geht: So steht ja auf dem Theaterzettel nicht <em>\u201eSzenische Entgleisungen des Regisseurs xy, nach verst\u00fcmmelten Motiven eines Klassikers\u201c<\/em>, sondern <em>\u201eFriedrich Schiller \u2013 Kabale und Liebe, in einer Inszenierung von xy\u201c<\/em>&#8230; Das ewige Schicksal derer, die mit zwei linken H\u00e4nden \u2013 und Hirnh\u00e4lften \u2013 hilflos den Werken der Meister und K\u00f6nner gegen\u00fcberstehen und selbst nichts schaffen k\u00f6nnen, was auch nur einen Hund hinterm Ofen hervorholen w\u00fcrde: Also mu\u00df fremdes Gedankengut gekapert werden, am besten, wenn Autor und Werk einen marktg\u00e4ngigen Namen haben.)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun war es \u00fcber Jahrhunderte Konvention, mit dem geistigen Erbe der V\u00e4ter halbwegs respektvoll umzugehen, und diese Konvention sch\u00fctzte die Werke der Klassiker vor Entstellung. Dieser angeborene Respekt vor Werk und Urheber sorgte f\u00fcr das, was kein Gesetz je h\u00e4tte gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnen. Es w\u00e4re ja auch niemand auf die Idee gekommen, sich allzu sehr gegen den Autorenwillen zu vers\u00fcndigen, weil man Weiland noch gen\u00fcgend Hirn hatte um zu verstehen, da\u00df sich der Autor bei Werkschaffung eben durchaus etwas gedacht hatte. Nach feierlicher Entsorgung des Respekts durch die 68er-(De)Generation und ihre Enkel ist es heute das Urheberrecht, das die Autoren vor den Ausw\u00fcchsen derer, die das nicht respektieren wollen, sch\u00fctzt \u2013 wenn auch nur auf Dauer der Schutzfrist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist \u00fcbrigens, da\u00df der unartikulierte Ruf in der Art <em>\u201eDem Autor sein Werk geh\u00f6rt uns alle\u201c<\/em>, verbunden mit der Ansicht, da\u00df man deshalb damit nach Gusto verfahren k\u00f6nne, ausgerechnet am lautesten von jenen t\u00f6nt, die sich sonst gegen <em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ppm5_AGtbTo\">kulturelle Aneignung<\/a><\/em> (a propos: Wann gibt Ellis Marsalis den Wei\u00dfen endlich das Klavier zur\u00fcck?) aufpudeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer geistiges Eigentum (wie wahrscheinlich \u00fcberhaupt jegliches Eigentum) nicht respektiert, kann und will nicht verstehen, da\u00df das Urheberrecht ein Pers\u00f6nlichkeitsrecht ist, da\u00df auch ein Autor einen freien Willen hat \u2013 und da\u00df dieser Wille die urheberrechtliche Schutzfrist \u00fcberdauert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Durch diesen hohlen Gasser mu\u00df er kommen&#8230;<\/strong><br>Man kann nun nicht verlangen, da\u00df eine <em>Kleine Zeitung<\/em>, die speziell vor Ostern in ihrer gewohnten Schizophrenie zwischen Kreuzlstickerei und Klassenkampf irrlichtert, solche Zusammenh\u00e4nge versteht. Kein Wunder, da\u00df der zust\u00e4ndige Redakteur (oder sein entsprechend programmierter Chatbot) deshalb im Namen der <em>Kleinen Zeitung<\/em> den Willen des Urhebers rotzig* als &#8211; Zitat &#8211; <em>\u201eidentit\u00e4tspolitischen Vollholler\u201c<\/em> (wer kommt auf solche mixta composita?) bezeichnen darf. Das ist nur verst\u00e4ndlich. Beim Verbreiten von Vollholler &#8211; insbesondere von identit\u00e4tspolitischem &#8211; w\u00fcnscht die <em>Kleine Zeitung<\/em> keine Konkurrenz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>* Ich wollte schreiben &#8222;trotzig&#8220;, aber die knappe Zeit erlaubte keine Korrekturen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">20. April 2025<br>MS<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Aufbegehren der kleinen Kunst-Revoluzzer liest sich fast wie die Frage: \u201eWo steht geschrieben, da\u00df Othello ein Schwarzer war?\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"rs_blank_template":"","rs_page_bg_color":"","slide_template_v7":"","footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-2333","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-informationen","no-post-thumbnail"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2333","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2333"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2333\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2365,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2333\/revisions\/2365"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2333"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2333"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2333"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}