{"id":1088,"date":"2018-07-04T11:53:57","date_gmt":"2018-07-04T10:53:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/?p=1088"},"modified":"2018-08-02T16:43:30","modified_gmt":"2018-08-02T15:43:30","slug":"musik-plagiat-bass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/?p=1088","title":{"rendered":"Zum Musik-Plagiat &#8211; Streit um des Kaisers Ba\u00df."},"content":{"rendered":"<p>Am 04.07.2018 meldeten die <a href=\"http:\/\/orf.at\/#\/stories\/2445568\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medien<\/a>,\u00a0<em>Universal Music<\/em> habe Plagiatsvorw\u00fcrfe gegen die Sch\u00f6pfer der\u00a0 Eurovision Song Contest-Siegernummer\u00a0\u201eToy\u201c erhoben. Der konkrete Verdacht: f\u00fcr &#8222;Toy&#8220; habe man sich bei der Nummer \u201eSeven Nation Army\u201c der Gruppe <em>White Stripes<\/em> bedient. &#8222;Es gehe dabei um \u00c4hnlichkeiten im Rhythmus, nicht in der Melodie oder beim Text&#8220;, berichtete orf.at.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Beurteilung des Sachverhaltes wird man als rein rechtlich gebildeter Anwalt bald an gewisse Grenzen sto\u00dfen; etwas musikalisches Grundverst\u00e4ndnis schadet keineswegs, sondern erscheint geradezu als Voraussetzung, will man sich hier ein juristisches Urteil bilden.<\/p>\n<p>Die zitierte Pressemeldung klingt sensationell, der Fall selbst ist aus Sicht der Urheberrechts aber nicht sehr brisant. In der Tat ist in der lauten und wenig originellen Nummer &#8222;Toy&#8220; eine Ba\u00dflinie auszumachen, die stark an jene von\u00a0\u201eSeven Nation Army\u201c erinnert. Eine v\u00f6llige Kopie oder gar ein Sample liegt aber ganz eindeutig nicht vor. Freilich, in &#8222;Toy&#8220; wird in \u00e4hnlichem Rhythmus dieselbe Tonfolge bem\u00fcht wie in der Ba\u00dflinie von \u201eSeven Nation Army\u201c, aber hier gleich von einem Plagiat zu sprechen, w\u00e4re schon\u00a0<em>ausgesprochen<\/em> k\u00fchn.<\/p>\n<p>Die Sache erinnert frappant an das Skand\u00e4lchen, als der US-Rapper Vanilla Ice 1989 f\u00fcr die Nummer &#8222;Ice Ice Baby&#8220; ganz einfach die Ba\u00dflinie der Queen\/David Bowie-Nummer &#8222;Under Pressure&#8220; (1981) unver\u00e4ndert \u00fcbernahm (oder, nach Angaben auf wikipedia, sogar ganz unversch\u00e4mt als <strong>Sample<\/strong> aus der Originalaufnahme entnahm). Logische Konsequenz war eine Klagsdrohung von Bowie und den Queen-Mannen, nach der man sich aber bald au\u00dfergerichtlich einigte &#8211; was speziell in urheberrechtlichen Belangen h\u00e4ufig geschieht und im Englischen so sch\u00f6n &#8222;settled out of court&#8220; hei\u00dft: Vanilla Ice kaufte die Rechte an\u00a0&#8222;Under Pressure&#8220;, anstatt\u00a0Queen und Bowie an den Tantiemen zu beteiligen. Damit war die urheberrechtlich eindeutige Angelegenheit erledigt.<br \/>\nDie interessante Frage, ob bereits eine charakteristische Ba\u00dflinie eigenst\u00e4ndig urheberrechtlichen Schutz genie\u00dfen kann, blieb damals leider ungekl\u00e4rt. F\u00fcr &#8222;Toy&#8220; w\u00e4re aber gerade diese Frage von Interesse.<\/p>\n<p>Der <strong>Vergleich<\/strong> der Sachverhalte von &#8222;Toy&#8220; und &#8222;Under Pressure&#8220; alias\u00a0&#8222;Ice Ice Baby&#8220; zeigt, da\u00df die beiden Sachverhalte <em>nicht<\/em> vergleichbar sind. Das &#8222;Under Pressure&#8220;-Sample war nicht nur unwesentliches Beiwerk, sondern sogar ein <strong>charakteristisches Merkmal<\/strong> der Nummer &#8222;Ice Ice Baby&#8220; (um dies zu beweisen, br\u00e4uchte man lediglich das Sample zu entfernen; was von &#8222;Ice Ice Baby&#8220; \u00fcbrigbliebe, w\u00e4re wohl nicht der Rede wert und schon gar nicht Grundlage f\u00fcr einen kommerziellen Musikhit). W\u00e4hrend also Vanilla Ice nicht nur Tonfolge <em>und<\/em> Rhythmus eines anderen Werkes nachspielte, sondern durch \u00dcbernahme der Originalaufnahme zudem auch noch in fremdes Leistungsschutzrecht eingriff, basiert &#8222;Toy&#8220; auf wenig originellen, aber <em>v\u00f6llig anderen<\/em> Ideen, bei denen die inkriminierte Ba\u00dflinie nur untergeordnete Bedeutung hat und v\u00f6llig austauschbar erscheint.<\/p>\n<p>Man darf annehmen, da\u00df sich mit Nachrichten wie jener vom Plagiatsvorwurf gegen &#8222;Toy&#8220;\u00a0(der, gemessen an der Medienpr\u00e4senz der Song-Contest-Gewinner au\u00dferdem reichlich sp\u00e4t kommt) lediglich das kommende Sommerloch ank\u00fcndigt, in dem auch Zeitungsenten und andere Nichtigkeiten willkommene Ablenkungen bieten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stand: Juli 2018<br \/>\nMS<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 04.07.2018 meldeten die Medien,\u00a0Universal Music habe Plagiatsvorw\u00fcrfe gegen die Sch\u00f6pfer der\u00a0 Eurovision Song Contest-Siegernummer\u00a0\u201eToy\u201c erhoben. Der konkrete Verdacht: f\u00fcr &#8222;Toy&#8220; habe man sich bei der Nummer \u201eSeven Nation Army\u201c der Gruppe White Stripes bedient. &#8222;Es gehe dabei um \u00c4hnlichkeiten im Rhythmus, nicht in der Melodie oder beim Text&#8220;, berichtete orf.at. F\u00fcr die Beurteilung des Sachverhaltes wird man als rein &#8230; <a href=\"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/?p=1088\" class=\"more-link\">Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-1088","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-informationen","no-post-thumbnail"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1088","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1088"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1088\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1117,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1088\/revisions\/1117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1088"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1088"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1088"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}