{"id":1011,"date":"2018-01-10T10:48:11","date_gmt":"2018-01-10T09:48:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/?p=1011"},"modified":"2018-01-08T12:48:26","modified_gmt":"2018-01-08T11:48:26","slug":"unechtes-handschriftliches-testament-zur-beweispflicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.seeber-lawconsult.at\/?p=1011","title":{"rendered":"(Un)echtes handschriftliches Testament? Zur Beweispflicht."},"content":{"rendered":"<div class=\"p embeddedContent\">\n<div>\n<div class=\"contentBlock\">\n<p class=\"ErlText AlignLeft\">Der OGH hat in der Entscheidung <strong>2Ob 78\/17k<\/strong> ausgesprochen, da\u00df die Echtheit eines eigenh\u00e4ndigen Testaments dann vom Testamentserben zu beweisen ist, wenn die Echtheit im Verfahren \u00fcber das Erbrecht <span style=\"text-decoration: underline;\">bestritten<\/span> wurde. Zumindest hat der Testamentserbe die\u00a0<em><span class=\"Unterstrichen\">hohe Wahrscheinlichkeit<\/span>\u00a0der Echtheit<\/em> zu beweisen. Wird in einem Erbschaftsstreit also behauptet, da\u00df das vorgelegte eigenh\u00e4ndige Testament gef\u00e4lscht ist, hat derjenige, der ich auf dieses Testament beruft, die Echtheit dieses Testaments zu beweisen.<\/p>\n<p class=\"ErlText AlignLeft\">Umgekehrt hat der Gegner, der ein <em>formgerechtes, aber ung\u00fcltiges<\/em> Testament behauptet, die Testierunf\u00e4higkeit des Erblassers zu beweisen (d.h. der Gegner behauptet, da\u00df, obwohl das vorliegende Testament formell richtig zustande gekommen ist, der Erblasser nicht mehr in der Lage war, seinen letzte Willen zu bekunden, z.B. wegen Demenz).<br \/>\nDa zur Frage der Beweislast in diesem Zusammenhang keine eindeutige und einheitliche Rechtsprechung vorlag, war der OGH veranla\u00dft, zu dieser Frage sehr ausf\u00fchrlich Stellung zunehmen.<\/p>\n<p>Der OGH u.a. im Wortlaut: <em>&#8222;Grundlage f\u00fcr das Erbrecht eines Testamentserben ist eine\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\"><span class=\"Unterstrichen\">formg\u00fcltige<\/span><\/span>\u00a0letztwillige Verf\u00fcgung\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\"><span class=\"Unterstrichen\">des Erblassers<\/span><\/span>. Nach den allgemeinen Beweislastregeln mu\u00df der Testamentserbe daher beim eigenh\u00e4ndigen Testament nicht nur die Existenz einer Urkunde beweisen, die mit der Hand geschrieben und unterschrieben wurde (Formg\u00fcltigkeit), sondern dar\u00fcber hinaus auch, da\u00df diese Urkunde\u00a0<span style=\"text-decoration: underline;\"><span class=\"Unterstrichen\">tats\u00e4chlich vom Erblasser stammt<\/span><\/span>. Steht das nicht fest, so fehlt jede inhaltliche Rechtfertigung, dennoch aufgrund\u00a0<span class=\"Unterstrichen\">dieser<\/span>\u00a0Urkunde das Erbrecht der darin genannten Person festzustellen.&#8220;<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p class=\"ErlText AlignLeft\"><span class=\"Kursiv\">Im konkreten Fall hatte das Erstgericht zun\u00e4chst festgestellt:<em> \u201eNicht festgestellt werden kann, dass das Testament &#8230; vom Erblasser eigenh\u00e4ndig geschrieben und unterschrieben wurde. &#8230; Es wurden keine Merkmale gefunden, die Anhaltspunkte daf\u00fcr ergeben, dass der Text des Testaments und die Unterschrift eine F\u00e4lschung w\u00e4ren.\u201c<\/em> Ein daf\u00fcr eingeholtes\u00a0<\/span>Schriftgutachten besagte, da\u00df \u201enicht entscheidbar\u201c sei, ob das Testament vom Erblasser geschrieben und unterschrieben wurde.\u00a0\u00dcber Antrag der Tochter formulierte das Erstgericht den ersten Satz der oben wiedergegebenen Feststellung mit Berichtigungsbeschluss wie folgt um:\u00a0<em>\u201e<span class=\"Kursiv\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Nicht<\/span> festgestellt werden kann, dass das Testament &#8230;\u00a0<\/span><span style=\"text-decoration: underline;\"><span class=\"Fett\"><span class=\"Kursiv\">nicht<\/span><\/span><\/span><span class=\"Fett\"><span class=\"Kursiv\">\u00a0<\/span><\/span><span class=\"Kursiv\">vom Erblasser eigenh\u00e4ndig geschrieben und unterschrieben wurde.<\/span>\u201c<\/em><\/p>\n<p>In diesen nachvollziehbaren Ausf\u00fchrungen hat der OGH somit die Frage der Beweislastverteilung im Streit um die Echtheit von Testamenten abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>MS<br \/>\nStand: Dezember 2017<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der OGH hat in der Entscheidung 2Ob 78\/17k ausgesprochen, da\u00df die Echtheit eines eigenh\u00e4ndigen Testaments dann vom Testamentserben zu beweisen ist, wenn die Echtheit im Verfahren \u00fcber das Erbrecht bestritten wurde. Zumindest hat der Testamentserbe die\u00a0hohe Wahrscheinlichkeit\u00a0der Echtheit zu beweisen. 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